Kringelbericht 2011 von Stefan Vetters (Foto kommt noch!)

...Check-in auf einem Zeltplatz in Mitteldeutschland: "Wie ist Ihr Name? Wie lange gedenken Sie zu bleiben? Wo möchten Sie denn gern zelten?" - "Ähm, ich wollte doch nur kringeln." - "Ach so, Sie sind verrückt, auf der Halbinsel wartet man schon auf Sie!" (wörtlich wiedergegeben)

Bereits zum sechsten Mal in Folge trafen sich Anfang Juni diesen Jahres Freunde und Anhänger des seit 2006 jährlich stattfindenden, legendären "Kringelfieber" am Edersee in Hessen. Dem Ruf zum europaweit größten Freestyle-Event, organisiert von Mark Maier, folgten mehr als einhundert Paddelbegeisterte aus fünf Nationen. Mancher Teilnehmer hatte extra für diesen Event Urlaub genommen und weite Anfahrten in Kauf genommen.

Bereits am ersten Veranstaltungstag füllte sich der uns zur Verfügung gestellte Teil des unmittelbar am Wasser gelegenen Campingplatzes zusehend. Teilweise schon vor dem Aufstellen der Zelte und Einrichtung der individuellen Lagerplätze waren die ersten Boote auf dem Wasser. In eigens für das "Ballett auf dem Wasser" gebauten Canoes, aber auch in konventionellen Tourenbooten wurde gepaddelt, geübt und an den Choreografien für den finalen Abend gefeilt.

Der nächste Tag des Treffens begann mit den üblichen morgendlichen Ritualen: Kaffee kochen, frühstücken, Bad im See oder einer heißen Dusche. Jedoch, beim Schwimmen im See bestand bereits morgens gegen 6 Uhr die Gefahr, von einem Canoe "eingekreist" oder überfahren zu werden. Vom morgendlichen Waschgang erfrischt oder geplättet von diversen Übungen zum Thema "Bergen und Retten" stand man hernach im zentral gelegenen "Kringeltipi" und konnte sich über diverse Programmpunkte, Kurs- und Workshopangebote informieren, seine Teilnahme bestätigen oder eigene Vorschläge unterbreiten. Jeder, der sich neuen Herausforderungen stellen, sein Boot mit wenigen, präzisen Paddelschlägen exakt und kräfteschonend bewegen wollte, konnte von diesen Angeboten nur profitieren. Eingeladen und direkt involviert waren die besten in Deutschland verfügbaren "Lehrer".

Die für das Lehren verantwortlichen vier von der ACA zertifizierten Instruktoren, denen uneingeschränkter Dank gebührt, hatten sprichwörtlich keine ruhige Minute. Lediglich von kurzen Pausen unterbrochen gaben sie Kurse und private Lehrstunden oder standen in Workshops ihre(n) Frau bzw. Mann. Enthusiasmus, Neugier, Freude und Spaß am Lehren - das ist es, was diese Menschen antreibt; bereitwillig lassen sie jeden an ihrem Können bzw. Erfahrungsschatz teilhaben, öffneten geduldig ihre "Schatzkisten" und blieben jedem Ansturm der Wißbegierigen stets freundlich gewachsen. Alle Manöver und (Paddel-)Schläge wurden feinfühlig und anschaulich erklärt, demonstriert und bei Bedarf immer wieder repetiert.
Für jeden Anspruch, für jede persönliche Entwicklungsstufe wurde etwas geboten: Freestyle im Solo- oder Tandemboot - in allen Quadranten; Canadian Style oder auch Grundlagenvermittlung für die Jüngsten, von allem alles! Besonders die "Kinderkurse" waren sehr gut "bepaddelt" und trieben die Instruktoren an die Grenze Ihrer Leistungskraft. Wunderbar anzusehen war, wie unbefangen und im wahrsten Sinne des Wortes "gierig" die Kleinen jedes demonstrierte Manöver und jedes Wort aufsaugten und meist erfolgreich in die Praxis umsetzten.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit bekamen Instruktoren, Paddler und auch die zahlreichen Boote eine Ruhepause. Dann war Zeit für Dis- kussionsrunden und gemütliches Beisammensein. Meist bis weit nach Mitternacht wurde im Schein der Lagerfeuer gefachsimpelt.

Der Wettergott meinte es in diesem Jahr gut mit den Teilnehmern, auch wenn der Wind immer wieder Grund zur Sorge gab. Schließlich war für den letzten gemeinsamen Abend die schon traditionelle "Revue" aus Vorführungen einzelner Teilnehmer vorgesehen. Pünktlich zum geplanten Beginn flaute der Wind jedoch ab und ermöglichte eine "Show zum Genießen". Unterstützt von einer engagierten Technik-Crew und beobachtet von einem fasziniertem Publikum zeigten Neulinge ihre ersten Vorführungen, Fortgeschrittene die weiter gereiften Küren aus dem letzten Jahr und auch die "Jugend" ließ es sich nicht nehmen, ihr Können zu präsentieren.

Highlight des Abends waren letztlich die mit unzähligen Lichtern illuminierten Boote, die sich im dunkel gleichsam tanzend entfernten, näherten, umschlangen.
Den offiziellen Abschluß der Veranstaltung bildete der legendäre "Abschlußkringel" der Teilnehmer.

"Reise in die Zukunft", so könnte man die diesjährige Verleihung des Kringelpokals wohl treffend charakterisieren. Verliehen für herausragende Fähigkeiten, Talent oder besondere Verdienste ging die Trophäe in diesem Jahr erstmals an eine Jugendliche, die mit ihren in den letzten Monaten erworbenen Fähigkeiten alle Erwartungen weit übertraf und die Auszeichnung verdient und voller Stolz entgegennahm. Dem "Gererationswechsel" und der Weiterführung der Kunst des Kringelns steht demnach nichts entgegen. Auch die allerkleinsten bekamen abends vom "Paddel-Papst" per Urkunde bescheinigt, an einem interessanten und erlebnisreichem Wochenende teil genommen zu haben. Schön!

Dank gebührt all denen, die dieses Fest wieder zu einem Erlebnis werden ließen, den Teilnehmern, denen die Ihre Boote zur Verfügung stellten, dem Team vom Campingplatz und besonders:

        Silke Reitner

            Gerhard Trunk

                Mark Maier

                    Jörg Wagner

                        der Technik.

Möge es noch lange und immerwährend Neugier und Freude geben!